Verlag 28 Eichen


Cover: Olaf R. Spittel (2015), unter Verwendung des
Gemäldes „Richard Humphreys, the Boxer“ von
John Hoppner (The Metropolitan Museum of Art, New York).

Erstveröffentlichung der Original-Buchausgabe:

Smith, Elder Co., London 1896.

Erste Buchausgabe in den USA:

Appleton and Company, New York 1896.

Erste Buchausgabe für den Kontinent:

Bernhard Tauchnitz, Leipzig 1896.

Erstveröffentlichung in Fortsetzungen: The Strand Magazine:

Januar 1896 bis Dezember 1896.

 

Verfilmung: UK 1913 (London Film Company)
als: The House of Temperley aka Rodney Stone,
Regie Harold M. Shaw. Stummfilm.

Ein Roman über die Zeit der Regency und die
sehr englische Tradition des Faustkampfes, als er noch
ohne Boxhandschuhe betrieben wurde. Einer der interessantesten historischen Romane von Conan Doyle, neben "White Company" (in Vorbereitung)
und '"Die Abenteuer des Micha Clarke" (lieferbar).

Sir Arthur Conan Doyle: Rodney Stone.
Roman. Originaltitel: Rodney Stone (1896)

 

Übersetzung aus dem Englischen von Mandana Bagheri, Martin Fischer, Heike Holtsch, Britta Köhler, Kristina Mundt, Eva Scharenberg, Anja Schindler, Jennifer Schwartz, Jennifer Thomas, Sara Walczyk, Constanze Wehnes, Zita Weiß und Fabienne Weuffen.
Koordination: Heike Holtsch.
Lektorat: Heike Holtsch, Jennifer Thomas, Martin Fischer, Fabienne Weuffen.
 

Mit den Original-Illustrationen von Sidney Paget aus dem "Strand Magazine".

 

Sir Arthur Conan Doyle: Ausgewählte Werke, Band 43
Herausgegeben von Olaf R. Spittel.
Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2015. 308 S. 19,95 €.
Format 12 x 19, 320 g. Softcover
ISBN: 978-3-940597-92-2

 

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Erhältlich in jedem guten Buchladen und im Internet.


Auch als eBook.
ISBN: 978-3-96027-093-5
13,99 
 

Das Cover verwendet die Wiedergabe eines Gemäldes von John Hoppner (UK, 1758 - 1810): "Richard Humphreys, the Boxer", The Metropolitan Museum of Art, New York.

 

Ich hörte es auch - ein Schlurfen im Zimmer über uns, dann knarrte die erste Treppenstufe, die zweite, die dritte. Jims Gesicht sah aus wie in Elfenbein geschnitzt, mit geöffnetem Mund und aufgerissenen Augen, die das schwarze Viereck am Fuß der Treppe fixierten. Noch immer hielt er das Licht, doch seine Hände zitterten, und mit jedem Zucken sprangen die Schatten von den Wänden an die Decke. Ich selbst hatte so weiche Knie, dass ich mich nicht mehr aufrecht halten konnte und mich hinter Jim niederkauerte, einen erstickten Schrei in der Kehle. Die Schritte näherten sich langsam, Stufe um Stufe.

 

 

Illustration von Sidney Paget

Klauspeter Bungert

Von der Faszination des Sports

Rodney Stone heißt der Erzähler dieser Geschichte, die Doyle im malerischen Südostengland Anfang des 19. Jahrhunderts spielen läßt.
 
Er entfaltet darin ein üppiges Panorama der frühen, von Verboten bedrohten Epoche des modernen Boxsports. Er gibt Einblick in eine den Standesdünkel des beschäftigungslos gewordenen Adels nicht mehr akzeptierende Gesellschaft, und er analysiert die Verfaßtheit einer sportfixierten Nation zuzeiten der Bedrohung durch den übermächtigen Napoleon.
 
Die Zähigkeit, Leidensbereitschaft und Entschlossenheit der Preisboxer wird in Beziehung gesetzt zu den englischen Soldaten, denen es nach jahrelangen Rückschlägen zu Land erst zu Wasser gelingen sollte, den Imperator von der Insel fernzuhalten und sich die Vorherrschaft über die Meere zu sichern. Der Held von Trafalgar, Admiral Nelson, bekommt ein eigenes Kapitel.
 
Über diese äußeren Marker hinaus erklärt der Roman die Faszination des Schriftstellers Doyle und wohl aller Sportbegeisterten bis heute für den Leistungssport. Körperliche Schönheit, geschlechtsunabhängig (unabhängig von sexuellen Orientierungen übrigens auch), und die Verkörperung der Grenzen dessen, was die Gattung Mensch physisch und moralisch zu leisten vermag, bilden darin die Mitte.
 
Doyle muß beim Schreiben ähnliche Strategien verfolgt haben wie seine Preisboxer: mit Ausdauer Thema und Form taxieren, vorausschauend reagieren, das Ziel auf bestmöglichem Weg erreichen.
 
Ob er mit der Wahl der Krimi-Schauer-Nebenhandlung, die gegen Ende zwei lange Rückblenden erzwingt und wie Opernstoffen des frühen 19. Jahrhunderts entnommen wirkt, optimal beraten war, darf allerdings hinterfragt bleiben.
 
Ungeachtet dieser Einzelheit trägt die von Standesdünkel unbeeindruckte Freundschaft des Erzähler Rodney zu Jim, dem sportlichen, aus einfachem Hause stammenden Schmiedegehilfen und Pflegling von Box-Exchampion Jack Harrison, auf hinreißende Weise über das ganze Buch.
 
Übrigens war der Sport, das zeigt das an historischen Tatsachen orientierte Buch, bereits in dieser uns entrückt vorkommenden Zeit von kriminellen Machenschaften durchsetzt. Noch nicht vonseiten der Sportler selber, aber vonseiten manch eines, der sein Vermögen auf sie verpfändete. Zu den anrührend charmanten Episoden des Romans gehört die leider eher utopische Szene, in der der 17jährige Jim die dem Suff verfallene Exschauspielerin Polly Hinton vom Alkohol befreit. Wie ein grundsätzlich friedensfixierter Mensch wie Rodney Wehrertüchtigung als ein unverzichtbares Element einer Gesellschaft legitimiert, erhält in der angespannten Situation zu Beginn des 21. Jahrhunderts dagegen eine eher beunruhigende Aktualität.
 
Die mustergültig redigierte deutsche Erstübersetzung entstand als Teamarbeit im Rahmen der berufsbezogenen Praktikumsseminare der Heinrich-Heine-Universität im Europäischen Übersetzerkollegium Straelen unter Mitwirkung und Leitung von Heike Holtsch. Es bleibt zu hoffen, daß von dieser Kooperation einer Uni mit einem Belletristikverlag eine Schubwirkung ausgeht für eine ausgedehntere Rezeption Doyles auch im akademischen Rahmen. Beim Niveau dieser Literatur ist das lange überfällig.