Verlag 28 Eichen


Hermann Harry Schmitz: Buch der Katastrophen
Satirische Kurzgeschichten
Herausgegeben von Olaf R. Spittel
Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2004. 220 S. 18,50 €.
Format 12 x 19. 243 g. Softcover
ISBN: 978-3-9809387-2-3

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Erhältlich in jedem guten Buchladen und im Internet.


Auch als eBook.
ISBN: 978-3-96027-003-4
11,99 
 

Der Transport des Büfetts ging gut bis zum letzten Treppenabsatz, nur an zwei Stellen war das Treppengeländer eingedrückt worden. So, jetzt um die Ecke zur letzten Treppe! „Einen Hupp!“ riefen die Transportmänner, und schon entglitt das Büfett ihren schwitzigen Quadratklammerfäusten und hupste, sich überschlagend, mit dem Lärm eines Hauseinsturzes und einer Janitscharenmusik allein die Treppe hinunter und bedeckte wie eine Lawine das unglückliche Ehepaar Pullcke. Krachen von Brustkörben, Klirren von Gips und Gläsernem. Nur die beiderseits in Zugstiefeln steckenden vier Füße schauten unbeschädigt unter dem Büfett her. Der Dackel war drei Meter länger geworden.

Hermann Harry Schmitz, 1880 – 1913

 

Leseprobe

Inhalt

Von Menschen und Menschen
Aus einem rheinischen Städtchen
     Turbine Muhlmann
     Das Elslein von Caub
Der gute Mensch
Onkel Bogumil trinkt
Die Bluse
Vom treuen Leser
Lillichens Verlobung

Von Menschen und Tieren
Der Tierfreund
Die vierbeinige Gefahr

Von Menschen und Kunst
Theater
Der interessante Kopf
Beethoven
Das Denkmal Noahs

Von Menschen und Maschinen
Wie ich mich entschloß, auf den Händen zu gehen
Die Diva und die Notbremse
Umzug
Das neue Auto

Von großer Einsamkeit
Feine Gesellschaft
Hitze! Hitze!
Drei Fabeln ohne Moral
     Der Fuchs und die Trauben
     Der Hahn und der Wurm
     Die Rangierlokomotive und der Prellbock
Der Mann mit dem verschluckten Auge

 

REZENSIONEN

 

Rezension von Irene Weiser
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin (Quelle)

 

Die absurden Abgründe des Alltäglichen

 

Wieder mal eine Neuauflage eines kaum bekannten Autors, den zu entdecken sich lohnt... Gerade 33 Jahre alt war Hermann Harry Schmitz, als er sich 1913 das Leben nahm. Hinterlassen hat er zahlreiche Kurzgeschichten und Skizzen, von denen die besten mit Katastrophen aufwarten, wie man sie wahrlich nicht selber erleben will...
Zwar enthält der vorliegende Band auch jede Menge "Pleiten, Pech und Pannen"-Stories der Art, wie sie etwa Mark Twain meisterlich beherrschte (Schmitz beherrscht dieses Genre allerdings auch nicht schlecht), aber die besten Geschichten sind hier eindeutig jene, in denen sich aus alltäglichen Situationen -- ein junges Ehepaar erwartet das erste Kind, ein allzu höflicher Philanthrop in der "Elektrischen"... -- absurde Grotesken entwickeln, und in denen Unerklärbares, nicht mit dem normalen Verstand Fassbares in den Alltag der Protagonisten hereinschwappt und regelmäßig für unerwartete Schlusspointen sorgt. Es werden Einblicke gewährt in Abgründe, die sonst gut verdeckt bleiben. Und egal wie gruslig das Ganze eigentlich wäre -- in Schmitz'scher Diktion ist es vor allem komisch. Ganz eiligen Lesern empfehle ich "Das verliehene Buch" -- es beginnt fast wie eine lehrreiche Parabel, aber enden tut es im wahrgewordenen Alptraum eines Buchbesitzers. Schmitz ist ein Meister der Pointe; den Punkt, an dem seine Handlungen vom Plausiblen ins Aberwitzige umkippen, bereitet er so unbemerkt vor, dass man im entscheidenden Moment bestimmt nicht auf dem Quivive ist...
Allerdings enthält das "Buch der Katastrophen" auch weniger Gelungenes. Meist sind das solche Erzählungen, in denen Schmitz zu dick aufträgt und den Sprachwitz allzu sehr bemüht. Ein ausgesprochener Tierfreund sollte nicht "Möbius Enterich" heißen, und Provinzstädte namens Stumpfsinnshausen (mit entsprechend brachialkomisch benannten Einwohnern selbstverständlich) mag komisch finden, wer will. Schade.
Aber das ändert nichts an meiner warmen Empfehlung für alle, die Sinn für die absurden Abgründe des Alltags haben und die gern einmal die Phantasie auf Expeditionen ins Groteske schicken.

 

 

 

Bauchschmerzen vom Lachen, 10. Oktober 2005

Von Ein Kunde (Quelle)
Hermann Harry Schnmitz. Die Welt wäre arm ohne ihn. In meiner Familie ist das Kult. "Das verliehende Buch" war der Anfang der Bewunderung für diesen Mann, der mit 33 Jahren schon elendich sterben musste. Aber selbst in den schmerzhaftesten Tagen seines Leidens schreibt er literarische Leckerbissen in Briefen. Seine Wortfülle und schier endlose Wortkreativität begeistern grenzenlos. Schon bei den Fantasienamen seiner Hauptakteure kann man sich Ausschütten vor Lachen. Mehrere Absätze später denkt man noch immer zwerchfellerschüttert daran. Er greift banale Alltagsdinge auf und strickt einen nie gekannten Wahnsinn daraus. Besonders technische Errungenschaften der damaligen Zeit werden gnadenlos zu monströsen, zerstörerischen Maschinen gedichtet so wie nur er das kann.
Ein viel zu unbekannter Düsseldorfer Diamant, dessen Werke jeden Anflug von Traurigkeit oder schlechter Laune pulverisieren.

 

 

 

Rezension von SPASSPREDIGER auf www.buch.de

An wen denken Sie, wenn Sie an Düsseldorf und Literatur denken? Richtig - natürlich an Heinrich Heine, der am 13. Dezember 1797 als Harry Heine in Düsseldorf das Licht der Welt erblickte. Und natürlich denken Sie, wenn Sie an Heine denken, ziemlich schnell an gallige, kluge Satiren.

Aber wussten Sie, dass Düsseldorf einen zweiten großen Harry hat? Hermann Harry Schmitz kam am 12. Juli 1880 auf die Welt - und leider, leider ist er nicht lang in ihr geblieben: Schon 33 Jahre später verließ er sie wieder. Allerdings reichte ihm die Zeit, um zwei Bücher zu verfassen - die Veröfentlichung des zweiten, dem "Buch der Katastrophen", hat er freilich leider nicht mehr selbst erlebt.

Nur gut, dass es heute, rund 100 Jahre nach seinem Erscheinen, lieferbar ist - denn die 30 Geschichten darin sind überraschend frisch und lassen ahnen, zu welcher Bekanntheit es Schmitz zweifellos gebracht hätte, wenn ihm ein wenig mehr Zeit auf Erden beschieden gewesen wäre. Als sich die Dadaismus-Bewegung gründete, war Schmitz schon unter der Erde - wer aber seine Geschichten liest, wird feststellen, dass sie vom gleichen Geist durchweht sind. Mit anderen Worten: Schmitz nimmt schon einiges vorweg, was erst viel später populär wurde.

Anders ausgedrückt: Können Sie mit dem absurden Humor eines Helge Schneider etwas anfangen? Mögen Sie die Geschichten von Max Goldt? Können Sie über die Cartoons und Erzählungen von Eugen Egner lachen? Und finden Sie, dass die Sketche der Komikertruppe Monty Python's Flying Circus eigentlich Schulstoff sein müssten? Dann kennen Sie Hermann Harry Schmitz vielleicht ja schon.

Wenn dem aber nicht so ist, haben Sie jetzt Grund zur Freude, weil Sie eine tolle Neuentdeckung machen können.

Der Spassprediger meint:

Lesen und staunen: Wer die Geschichten von Hermann Harry Schmitz liest, dem werden sie möglicherweise ganz schnell wieder einfallen, wenn er das nächste Mal irgendeinen Comedian im Fernsehen sieht. Und vielleicht denken, dass viele von denen Zwerge sind, die auf den Schultern von Riesen stehen, von denen er lange Zeit gar nichts wusste. Empfehlung: Freunde absurden Humors können die Sammlung mit 30 von Schmitzens grotesken Geschichten bedenkenlos kaufen.
Zu meiner Person:

Ich lese querbeet - bis hin zu Kartoffeln. Einer der interessantesten Stoffe, an denen ich in der letzten Zeit Geschmack gefunden habe, war übrigens ein Buch über Salz. Quelle

 

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